7. Dezember

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Fabian braucht eine Stärkung 


„UAHHH!“ Ständig aufmerksam und wachsam zu bleiben, das ist echt anstrengend, vor allem dann, wenn sich seit Stunden nichts ereignet. So hat sich Fabian das nicht vorgestellt. Immer wieder muss der junge Engelschüler gähnen. 

Am Morgen war es für kurze Zeit richtig spannend. Die meisten Kinder sind aufgeregt aus ihren Betten gehüpft. Noch vor dem Waschen, Frühstücken und Zähneputzen haben sie nachgesehen, ob die Engel ihren Christkindlbrief abgeholt haben. Ja, der Brief ist weg!!! Freudig haben sie ihre Eltern und Großeltern umarmt. Manche Kinder haben sogar ein Engelshaar gefunden. Vorsichtig, ganz vorsichtig, wie einen kostbaren Schatz, haben sie das Engelshaar angefasst und es in eine kleine Schachtel gelegt. Das mit dem Haar passiert dann, wenn die Engelhelferinnen sich schnell verstecken müssen. Dann bleiben sie manchmal an einem Ast, einem Stück Holz oder einem Nagel hängen und verlieren eine goldene Locke. AUTSCH! Nein, so schlimm ist es nicht. Engel haben dichtes und wuscheliges Haar. Und es wächst zum Glück auch ganz, ganz schnell wieder nach. 

Momentan tut sich im Adventdorf aber gar nichts. Die Erwachsenen arbeiten und die Kinder sind in der Schule oder im Kindergarten. Da bleibt keine Zeit für das Briefeschreiben. Immer und immer wieder fallen Fabian die Augen zu. „Möchtest du vielleicht eine Tasse Heiße Schokolade?“ fragt Engelhelferin Magda, die zufällig vorbeikommt. „Das macht dich wieder wach!“ zwinkert sie Fabian zu. Sie kennt den jungen Engelschüler und seine Vorliebe für Süßes. „Oh ja! Das wäre fein!“ ruft Fabian begeistert. „Soll ich…? Und du…?“ fragt er. „Nein, nein! Bleib du nur auf deinem Posten. Ich bin ohnehin auf dem Weg in die himmlische Küche. Ich bring dir welchen mit!“ sagt Magda. „Und auf dem Rückweg schaue ich in der himmlischen Backstube vorbei. Vielleicht gibt es ein paar Kekserl, die etwas zu dunkel geraten sind“, lacht sie und macht sich auf den Weg. „DANKE!!!“ ruft Fabian ihr nach. Zumindest ist er jetzt wieder hellwach. Wer weiß, vielleicht macht das auch die Vorfreude auf die süßen Köstlichkeiten. 

Da hört Fabian ein lautes RIIIIINGGGG! Erschrocken schaut er sich um. Aber hier im Himmel ist alles ruhig. Also kann das Läuten nicht von hier kommen. „Oh, das ist also die Schulglocke!“ sagt Fabian. Plötzlich stürmen alle Kinder gleichzeitig aus dem Schulgebäude und laufen nach Hause. Auch vor dem Kindergarten parken die ersten Autos. Die Eltern holen ihre Kleinen ab. Mit einem Mal bekommt Fabian richtig viel zu tun. Während die einen mit ihren Hausaufgaben beginnen, schreiben die anderen schon fleißig an ihren Christkindlbriefen. „Maria, Bienenweg 8; Simon, Rosenweg 17; Klausi, Hauptstraße 3; Mia, Kirchenplatz 10…“, murmelt Fabian, während er versucht, alles ordentlich im Sternenheft zu notieren. Ordentlich und leserlich zu schreiben, auch das ist anstrengend und dauert. Fabian tut seine Hand schon weh. Immer wieder schüttelt er sie zwischendurch aus. Gut, dass es nun Zeit für das Mittagessen ist. So machen nicht nur die Kinder eine Pause, auch Fabian kann sich erholen. Gerade rechtzeitig trifft Engelhelferin Magda mit seiner Heißen Schokolade und einem Teller voller knusprig brauner Vanillekipferl ein. „Hier, bitte schön, mein Lieber!“ sagt Magda. „Das hast du dir wirklich verdient!“ Sie weiß, wie anstrengend die Aufgabe am Himmelsfernrohr ist. „Pass aber auf, dass du dich nicht zu sehr ankleckerst. Himbeermarmelade vom Frühstück und dann noch Schokolade, ich weiß nicht, ob wir dein Kleid wieder sauber kriegen“, lacht sie. „Oje!“ Fabian errötet. Nach dem Frühstück hatte er keine Zeit mehr zum Umziehen, also ist sein Ärmel tatsächlich noch voller Marmelade. Wie peinlich! „Lass es dir schmecken, Fabian! Und falls du mich brauchst, einfach klingeln, das weißt du ja!“ sagt Magda und verschwindet um die Ecke. „DANKE!“ ruft Fabian und hat sich dabei schon die ersten beiden Vanillekipferl in den Mund gesteckt. Sein Magen grummelt nämlich fürchterlich. GRRRR! Fabian kann nichts dafür. Sobald sein Bauch etwas Süßes sieht, meldet er sich. 

Natürlich vergisst Fabian nicht auf das Fernrohr. Aber im Adventdorf schmeckt es den Kindern ebenso gut wie Fabian. Außer einem lauten Schmatzen ist von dort im Moment nichts zu hören. So kann auch Fabian in Ruhe seine Pausen-Mahlzeit genießen. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner