15. Dezember

  • © Oskar, Pointecker

Fabian, der Zuckerbäcker 


„So, erst einmal benötigen wir einen Kleber für unsere Lebkuchenhäuschen“, Oberengel Paulina. „Dafür schlägt einer von euch drei Eiweiß so lange auf, bis daraus Schnee entsteht.“ Ein Kichern ist zu hören. „Oh fein, dann können wir ja auch eine Schneeballschlacht machen“, ruft der vorlaute Klausi. „Das was wir hier machen ist Zuckerschnee und kein Schnee zum Schneemannbauen oder zur Schneeballschlacht“, tadelt ihn Oberengel Paulina. „Also, während der eine den Schnee schlägt, lässt der andere Puderzucker durch ein feines Sieb in die Schüsseln rieseln. Das macht ihr so lange, bis der Mixer aussieht, als würden kleine Eiszapfen dranhängen. Verstanden?“ 

Eifrig machen sich die jungen Engel an die Arbeit. Fabian und Conny haben sich entschieden, dass Fabian mit dem Mixen anfängt. Während die beiden ruhig und konzentriert arbeiten, gibt es bei Franzi und Luise schon erste Streitereien. „Da schau, der meiste Puderzucker liegt neben der Schüssel“, mault Luise. „Ja aber nur, weil du die Schüssel immer wieder verrückst“, faucht Franzi zurück. „Ohhh!“, ruft Fabian plötzlich, „ich glaube, unser Zuckerschnee passt schon. Er hält seinen Mixer hoch. „Ja, Fabian, euer Zuckerschnee ist tatsächlich perfekt. Schau nur wie fest er ist und wie schön er glänzt. Gut gemacht!“ lobt Oberengel Paulina Fabian und Conny. Die beiden strahlen vor Stolz. „Siehst du, die beiden sind schon fertig und bei uns ist alles noch flüssig“, schimpft Luise. „Ja, dann solltest du dich halt ein bisschen beeilen, mit dem Zuckersieben!“ antwortet Franzi. 

„Wenn euer Zuckerschnee dann fertig ist, dürft ihr ihn in eine Spritztüte füllen. Dann schneidet ihr vorne die Spitze ab und schon könnt ihr eure Häuschen zusammenkleben“, sagt Oberengel Paulina. Fabian und Conny machen sich ans Werk. Während Conny vorsichtig die Teile zusammensetzt, übernimmt Fabian das Kleben. Das ist gar nicht so einfach. Bald hat Fabian den Zuckerschnee nicht nur auf den Fingern, sondern auch im Gesicht und auf seinem Engelskleid. Aber er klebt perfekt. Es dauert gar nicht lange, bis Conny die einzelnen Teile loslassen kann und ein süßen Lebkuchenhaus vor ihnen steht. Nur das Dach ist etwas schwieriger. Immer und immer wieder rutscht es. Aber gemeinsam schaffen sie auch das. Zufrieden schauen sich die beiden ihr Kunstwerk an. Mit bunten Zuckerperlen, Zuckerstangen und ein bisschen Glitzer-Konfetti verzieren sie es noch. Zum Schluss setzt Fabian noch etwas Zuckerwatte in den Kamin. „Schau, da hat jemand eingeheizt“, sagt er zu Conny. Die junge Engelschülerin schaut ihn bewundernd an. Da werden sich die Kinder bestimmt freuen. Jetzt aber dürfen sie erst einmal die Reste vernaschen. 

„Was meinst du, sollten wir Franzi und Luise helfen“, flüstert Conny. Fabian schaut sie erstaunt an. „Wir haben doch noch jede Menge Zuckerschnee. Der klebt auch richtig gut. Schau dir das Chaos bei den Beiden an. Das wird nix mehr heute.“ Und tatsächlich sieht es bei Franzi und Conny aus, wie nach einem schweren Erdbeben. Wegen Luises Ungeduld ist der Zuckerschnee noch zu flüssig und klebt nicht. De Teil stürzen immer wieder ein. An manchen Stellen sind sie sogar schon etwas abgebrochen. „Na gut, dann lass uns mithelfen. Wir sind schon erfahrene Baumeister“, schmunzelt Fabian. So steht mit vereinten Kräften endlich auch bei Luise und Franzi ein fertiges Lebkuchenhaus. Es sieht nicht annähernd so perfekt aus, wie auf Luises Plan. Aber irgendwie schaut es toll aus. Halb eingeschneit, ein bisserl schief, fast wie ein richtiges Hexenhaus. Franzi ist sehr zufrieden und sagt: „Wow, danke Conny, du bist echt cool!“ Luise brummelt nur: „Hättest du auf mich gehört, hätten wir das auch hinbekommen.“ Aber Franzi hört gar nicht mehr hin. Die ewige Nörgelei geht ihm einfach auf die Nerven. Viel lieber nascht er gemeinsam mit Conny und seinem besten Freund die restlichen Lebkuchen mit dem süßen Zuckerschnee. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner