24. Dezember

s

Fabians größter Weihnachtswunsch 


„Franzi, los! Aufstehen!!!“ ruft Fabian. Übermütig zieht er seinem schlafenden Freund die Wolkendecke weg und weckt so auch alle anderen Engelschüler im himmlischen Schlafsaal. Draußen ist es noch dunkel. Der Mond ist eben erst um die Ecke gebogen. Er musste schmunzeln. Normalerweise ist Fabian die Schlafmütze, die von allen anderen geweckt werden muss. Aber heute ist es umgekehrt. Der junge Engelschüler ist außer Rand und Band. „Fabian, was soll das!“ brummelt Franzi. „Es ist noch mitten in der Nacht. Ich will noch nicht aufstehen.“ Auch die anderen Engelschüler sind genervt von dem frühen Wirbel. „Lass uns schlafen, wir sind müde!“ rufen sie. „Aber wie könnt ihr noch müde sein. Wisst ihr denn nicht das heute Weihnachten ist?“ fragt Fabian erstaunt. „Doch, das wissen wir. Und genau darum wollen wir uns ausschlafen. Sonst fallen uns heute Abend noch VOR der großen Engelsparty die Augen zu“, murmelt Klausi. Oh, oh! Fabian greift sich an den Kopf. Fabian gibt es nicht gerne zu, aber dieses Mal hat Klausi recht. Fabian legt sich wieder in sein Wolkenbett. Aber er kann nicht mehr einschlafen. Zu viele Gedanken schwirren in seinem Kopf herum. Also schleicht er sich heimlich nach draußen. 

Noch ist alles ruhig, hier im Himmel. Fabian liebt den Heiligen Abend. Alles ist vorbereitet für das große Fest. Die Himmelswerkstatt ist auf Hochglanz poliert. Trotzdem riecht es noch nach Bienenwachs, nach Holzleim und frischer Farbe. Fabian bleibt vor der himmlischen Backstube stehen. Auch die Backöfen haben bereits Ferien. Aber immer noch steigt Fabian der Duft von frischem Lebkuchen, Vanillekipferl und Zimtsternen in die Nase. Fabian schließt die Augen. Hmm! Einfach herrlich! Fabian wandert weiter durch die Himmelsgänge. „Nanu? Da haben wir ja einen kleinen Frühaufsteher?“ hört er plötzlich die glockenhelle Stimme. Fabian erschreckt. Es ist das Christkind selbst, das schon so früh unterwegs ist. „Stimmt“, sagt Fabian, „aber heute kann ich einfach nicht mehr schlafen. Ich bin zu nervös! Es ist doch Heiliger Abend!“ „Stimmt“, sagt das Christkind. „Aber ihr jungen Engel habt doch alle brav und fleißig eure Arbeiten erledigt. Heute dürft ihr euch frei nehmen, damit ihr fit seid, für die große Party am Abend. Ich habe heute die meiste Arbeit. Ich muss noch die ganzen Geschenke ausliefern.“ „Ja…also…genau…aber…aber…“, stottert Fabian, „ich…ich…ich würde einfach gerne Saras Gesicht sehen, wenn sie mein Packerl auspackt. Damit rechnet sie doch nicht!“ „So, so, das möchtest du also. Tja, du weißt, das geht aber nur, wenn du durch das himmlische Fernrohr schaust.“ „Ja, ich weiß“, murmelt Fabian, „und ich weiß auch, dass ich das nicht darf. „Stimmt genau!“ sagt das Christkind. Dann sieht es den jungen Engelschüler lange an. „Aber weißt du, heute, am Heiligen Abend, da haben auch alle Engel einen Wunsch frei!“ sagt es dann. „Ja, stimmt!“ ruft Fabian erfreut. „Und wenn das dein Wunsch ist, dann will ich dir diesen gerne erfüllen. „Oh, vielen, vielen Dank, liebes Christkind!“ ruft der junge Engelschüler erfreut. 

Für Fabian vergeht der restliche Tag viel zu langsam. Nach dem Frühstück öffnet Oberengel Gabriel das letzte Türchen am himmlischen Adventkalender. Und ratet, welches Foto heute dahintersteckt? Es ist sein eigenes Foto, denn heute ist Oberengel Gabriel der himmlische Helfer vom Christkind. Gemeinsam müssen noch alle Geschenke in den riesengroßen, Wolkenrucksack gepackt werden. 

Die Engelschülerinnen und Engelschüler verbringen den Tag damit, ihren himmlischen Schlafsaal in Ordnung zu bringen und ein bisschen zu faulenzen. Wer Lust hat, hilft bei den Vorbereitungen für das Party-Essen. Es gibt himmlische Mini-Törtchen mit Glitzerschnee und Marzipansternen, himmlische Zuckerwatte, einen zartschmelzenden Schokobrunnen mit Bananenstückchen und süßen Erdbeeren und natürlich gebrannte Mandeln und karamellisierte Walnüsse. Hmmm! Darauf hätte ihr bestimmt auch Lust, oder? Die jungen Engel sind eifrig am Werkeln. Mit Oberengel Paulina macht das Arbeiten einfach immer Spaß. 

Dann endlich ist es soweit. Die gesamte himmlische Engelschar versammelt sich um die Himmelsleiter. Auf Oberengel Gabriels Kommando rufen alle Engel: „FRÖHLICHE WEIHNACHTEN ALLEN MENSCHEN AUF ERDEN!“ Das Christkind winkt zum Abschied, nimmt eine Prise Sternenglitzer, damit der Wolkenrucksack ganz leicht wird und saust die Himmelsleiter hinunter. Diesen magischen Moment lieben alle Engel, besonders die jungen Engelschülerinnen und Engelschüler winken dem Christkind noch lange nach. 

Fabian kann es kaum erwarten. Seit mehr als einer Stunde wartet er am Himmelsfernrohr. „Hätte ich bloß nicht so viel Apfeltee getrunken“, jammert er und springt von einem Bein aufs andere. Er müsste dringend einmal aufs himmlische Klo, aber er traut sich nicht wegzugehen. Endlich, endlich ist das Christkind in Saras Straße angekommen. Bald darauf ertönt die Klingel aus Saras Wohnzimmer. Sara öffnet vorsichtig die Türe. Ihre Augen funkeln, wie kleine Glitzersterne und ihre Wangen glühen. „WOW!“ ruft sie. „So ein riesiger Christbaum! Und die vielen bunten Kugeln. Schau, da sitzen sogar kleine Vögelchen drauf.“ Sara weiß nicht, wohin sie zuerst schauen soll. Auch Fabian kann sich gar nicht sattsehen. Es ist wirklich ein wunderschöner Christbaum. Dann endlich entdeckt sie Fabians Geschenk. Ganz sorgfältig packt sie es aus. Sie möchte das feine Papier nicht kaputtmachen. Aufgeregt läuft sie zwischen ihren Eltern und Großeltern hin und her und zeigt ihnen die wunderschöne Krippe. Dann liest Sara gemeinsam mit ihrer Mama den Brief. Fabians Herz klopft bis zum Hals. 

In diesem Moment tritt die Kleine ans Fenster. Sie sieht geradewegs in seine Richtung, wirft ihm einen Kuss zu und ruft: „DANKE lieber Fabian! Ich habe dich gaaaaaanz lieb!“ Fabian ist so gerührt, dass ihm eine Träne über die Wange kullert. Und er ist überglücklich. Schöner könnte dieser Heilige Abend für den jungen Engelschüler nicht sein. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner