12. Dezember

  • © Oskar, Pointecker
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Fabian lernt Flaumi fliegen 


„Fabian? Bist du das?“ Franzi traut seinen Augen nicht. Fabian sitzt in einem blütenweißen Engelskleid auf seinem Wolkenbett. „Was ist mit dir passiert? Hat dich jemand in die Waschmaschine gesteckt?“ Er kann es nicht fassen. Normalerweise schafft es Fabian frühmorgens kaum vom Schlafsaal in den Speisesaal, ohne schmutzig zu werden. Einmal, Franzi erinnert sich genau, da stand frühmorgens das Fenster offen. Fabian sprang aus dem Bett. In dem Moment musste eine vorbeifliegende Wolke niesen…und wer bekam den ganzen Regenguss ab…natürlich unser lieber Fabian. Er ist und bleibt eben der geborene Tollpatsch. 

„Fein, oder? Und riech mal, wie gut das duftet!“ Fabian ist richtig stolz. „Ich war in der himmlischen Waschküche bei Oberengel Sonja“, erzählt Fabian. „Aha!“ wundert sich Franzi. „Aber du weißt doch, heute Abend dürfen wir in die himmlische Backstube“, erinnert Fabian seinen Freund. „Lebkuchenhäuser bauen und verzieren!“ „Stimmt, das hätte ich fast vergessen!“ sagt Franzi. „Jetzt verstehe ich auch…mit deinem kunterbunten Kleid hätte dich Oberengel Paulina niemals in die Backstube gelassen.“ Franzi lacht. „Aber du siehst so ganz anders aus…so ordentlich und sauber.“ „HAHA! Sehr witzig!“ ärgert sich Fabian. 

„Schau mal, was Flaumi schon kann“, wechselt der junge Engelschüler das Thema. „Ich übe mit ihm seine ersten Flugversuche.“ Fabian zeigt Franzi die beiden Federn. Unzählige Male hat Fabian dem kleinen Piepmatz gezeigt, wie er diese auf und ab bewegen soll. Neugierig schaut Flaumi ihm zu. Nun hebt er ihn aus seinem Nest hoch und setzt ihn in seine Hand. Er hält die Hand flach und gibt ihm einen leichten Schubs. Erst plumpst Flaumi nur wie ein Ball auf das weiche Wolkenbett. Aber plötzlich bemerkt der kleine Piepmatz, dass er Federn hat. Immer und immer wieder versucht er diese, auf und ab zu bewegen. „Schau, er ist richtig ehrgeizig“, Fabian ist so stolz auf seinen kleinen Schützling. „Ja, aber denk daran, du musst heute in diesem Bett schlafen“, lacht Franzi, und ich glaube, der Kleine hat dir gerade ein kleines Häufchen hineingesetzt. Und es ist nicht das erste!“ BÄHHHH! 

„Oh nein, Flaumi!!!“ Fabian versucht, die Flecken wegzurubbeln, aber damit verschmiert er sie nur noch mehr. „Was soll ich nur machen?“ jammert Fabian. „Genug geübt für heute, zurück in dein Nest!“ Er schnappt sich den kleinen Piepmatz und stellt das Körbchen auf sein Nachtkästchen. Flaumi ist davon unbeeindruckt. Er ist ohnehin müde von den vielen Flugversuchen, kuschelt sich ins Stroh und schließt die Augen. 

„Und was machst du jetzt mit deinem Bett?“ fragt Franzi. „Also, ich hätte da schon eine Idee, aber…“, überlegt Fabian. „Denk nicht einmal daran, du weißt, dass das strengstens verboten ist“, ruft sein Freund entsetzt. „Komm schon, wer soll das herausfinden?“ sagt Fabian. „Du weißt, ganz genau, wir dürfen Sternenglitzer NUR im NOTFALL einsetzen“, erinnert Franzi seinen Freund. „Na, und ist das nicht ein Notfall?“ fragt der junge Engelschüler. „Nein, ein Notfall ist es, wenn ein Engel in Gefahr ist. Aber Vogelk… im Bett ist kein Notfall, sondern einfach nur…IIIIHHH!!!“ erklärt Franzi. „Jaaaa…für dich vielleicht, für mich ist es aber ein Notfall. Wo soll ich denn heute Nacht schlafen?“ sagt Fabian. Franzi fällt darauf nichts mehr ein. Wenn sich sein Freund etwas in den Kopf setzt, dann hat er keine Chance. Er kann nur hoffen, dass das gut geht. 

Die beiden Freunde schauen sich um. Zum Glück ist niemand sonst im Schlafsaal. Rasch holt Fabian eine kleine Box aus seinem Nachtkästchen. Unter seinem Wolkenkissen ist ein kleiner Schlüssel versteckt. Vorsichtig sperrt Fabian die Box auf und holt sein Sackerl Sternenglitzer hervor. Eine winzige Prise genügt, und das Bettlaken ist wieder sauber. 

Tja, der Plan hätte auch funktioniert. Doch genau in dem Moment, in dem Fabian in sein Sackerl greift, kommt Winnie, die kleine Windböe vorbeigeflogen. „BUUHHH!!“ ruft sie. Fabians winzige Prise Sternenglitzer verstreut sich so nicht nur über das Bett, sondern auch über Flaumis Nest. Plötzlich ist von dem kleinen Piepmatz nichts mehr zu sehen. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner