18. Dezember

  • © Oskar, Pointecker
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Fabian, der kleine Dichter

 

 „Oh, Tannenbaum, oh Tannenbaum, die Sara, die wird wirklich schau ‘n“, trällert Fabian fröhlich vor sich hin und tanzt durch die Himmelsgänge. Seine selbstgebastelte Krippe trägt er wie einen Schatz. „Na, da ist aber jemand gutgelaunt“, sagt Oberengel Maria. Sie ist gerade auf dem Weg in das himmlische Postamt. 

„Ja!“ sagt der junge Engelschüler und zeigt ihr stolz sein Kunstwerk. „Das habe ich selbst gebaut, auch das Schindeldach. Nur die Figuren hat Oberengel Manuel geschnitzt.“ „Wunderschön!“ ruft Oberengel Maria begeistert. „Hast du die Krippe für dich gebaut?“ „Nein, die habe ich für Sara gemacht, als Weihnachtsgeschenk. So weiß sie, dass ihr Luftballon auch tatsächlich bei uns angekommen ist“, erklärt Fabian. „Das ist eine schöne Idee“, Oberengel Maria ist begeistert. „Dann musst du sie aber noch einpacken, oder?“ „Ja, und ich würde auch noch gerne einen Brief an Sara schreiben. Darf ich?“ fragt der junge Engelschüler. „Aber natürlich, komm mit!“ sagt Oberengel Maria. 

„Hier, setz dich! Magda wird dir einen Bogen von unserem handgeschöpften Papier geben. Wenn du magst, darfst du ausnahmsweise auch die goldene Tinte verwenden. Die ist nur für besondere Anlässe“, sagt Maria. „Oh fein!“ freut sich Fabian. Erst weiß der junge Engelschüler nicht so recht, wie er anfangen soll und kaut an seinem Federstil. „Nix da, gekaut wird nicht!“ ermahnt ihn Magda. „Tschuldigung!“ murmelt Fabian erschrocken. Dann beginnt er zu schreiben. Magda wirft immer wieder einen Blick auf den Brief und schüttelt den Kopf. Diese Schrift und diese Rechtschreibfehler, entsetzlich! Aber Fabian ist nicht zu stoppen. Irgendwann legt er zufrieden die Feder weg. „So, fertig!“ sagt er. „Nicht so schnell!“ ruft Magda. „Darf ich?“. Fabian nickt. „Den Brief hast du wirklich gut formuliert. Aber deine Schrift und die Fehler, da kann Sara ja gar nichts lesen,“ sagt die Engelhelferin. „Ich werde dir die Fehler ausbessern und dann schreibst du das ganze nochmals ordentlich und fehlerfrei auf ein neues Blatt Papier. Einverstanden?“ „Wenn es unbedingt sein muss“, murmelt Fabian. Schreiben ist so gar nicht sein Ding! 

Liebe Sara! 

Dein Luftballon mit dem Vogelbaby ist sicher bei uns im Himmel angekommen. Wir haben aber im Himmel keine anderen Vögel, auch keine Vogeleltern. Also habe ich mich um ihn gekümmert. Ich habe ihm den Namen Flaumi gegeben. Oberengel Thomas und ich haben ihn mit einer Pinzette gefüttert. Einmal habe ich ihn mit meinem Sternenglitzer sogar unsichtbar gemacht. Das war eine Aufregung. Fliegen habe ich ihm auch gelernt. Doch dann wollte er weg und Vogelfreunde finden. Ich habe geweint. Aber dann habe ich dir diese Krippe gebastelt. Das hat mich getröstet. Es war einmal Flaumis Nest. So hast du eine Erinnerung an ihn. 

Alles Liebe und frohe Weihnachten wünscht dir Fabian! 

PS: 

Ich bin wie du so klein, 

doch darf ich schon ein Engelschüler sein! 

Aus den Tintenklecksen, die sich auch beim zweiten Brief eingeschlichen haben, malt Fabian ganz einfach kleine Sterne. Tja, kreativ ist er, unser Fabian. 

„So, jetzt stecken wir den Brief in einen schönen Umschlag und dann darfst du noch den goldenen Stempel vom Christkind draufgeben“, sagt Magda. „Die Adresse schreibe lieber ich. Sicher ist sicher“, schmunzelt sie. Aber Fabian ist das nur recht. Für heute hat er genug geschrieben. 

„Jetzt musst du dein Geschenk nur noch verpacken“, sagt Magda. „Wenn du möchtest, darfst du ausnahmsweise dafür das Papier mit dem Sternenglitzer verwenden“, sagt Oberengel Maria. „Wirklich?“ fragt Fabian ungläubig. Er weiß, wie kostbar dieses Papier ist. „Ja, aber ich glaube, es ist besser, wenn dir Magda beim Einpacken hilft.“ „Unbedingt!“ ruft Fabian. Magda wickelt die Krippe im Vogelnest vorsichtig ein und bindet eine goldene Schleife darum. „So, nun noch den Brief dazu“, sagt sie zu Fabian. „Fertig!“ „Wunderschön! DANKE, DANKE, DANKE!!!!“ Der junge Engelschüler strahlt über das ganze Gesicht. Er kann es kaum erwarten, bis das Christkind die Packerl ausliefert. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner