9. Dezember

  • © Oskar, Pointecker
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Fabian und die Rettungsaktion 

KLOPF! KLOPF! KLOPF! Fabian trommelt ungeduldig an die große Türe des himmlischen Postamtes. Keine Antwort. Fabian versucht es noch einmal. KLOPF! KLOPF! KLOPF! Wieder keine Antwort. Der junge Engelschüler ist verzweifelt. Aufgeregt hüpft er von einem Bein aufs andere. „Was mache ich nur? Warum hört mich denn niemand?“ überlegt Fabian verzweifelt. „Wenn ich den Luftballon nicht rechtzeitig in Empfang nehme, gibt das ein ordentliches Chaos.“ In diesem Moment kommt Oberengel Maria um die Ecke. „Nanu, Fabian? Warum bist du denn nicht an deinem Beobachtungsposten am Himmelsfernrohr?“ fragt sie verwundert. „Und warum klopfst du wie ein Verrückter an die Türe?“ 

„Oberengel Maria, so ein Glück!“ ruft Fabian. Am liebsten wäre er ihr um den Hals gefallen. Rasch berichtet er, was er vor ein paar Minuten auf der Erde beobachtet hat. „…und so habe ich schnell geklingelt. Engelhelferin Magda hat mich am Himmelsfernrohr abgelöst…und ich muss ganz schnell den Luftballon entgegennehmen“! Die Worte purzeln nur so aus Fabian heraus. Er hat kaum Luft geholt und ist ganz außer Atem. „Atmen nicht vergessen, mein Lieber, atmen!“ Kopfschüttelnd schaut Maria den jungen Engelschüler an. „Ich glaube, du hast dir da eine ganz verrückte Geschichte ausgedacht. In dem Packerl ist bestimmt etwas ganz anderes drinnen“, sagt Oberengel Maria. Das Christkind bekommt von den Kindern oft ein Packerl mit selbstgebastelten Sachen. „Aber komm mit mir mit. Dann schauen wir nach, ob der Luftballon schon eingetroffen ist und was tatsächlich in dem Packerl steckt“, schlägt sie vor und öffnet die große Türe. 

Die Engelhelferinnen haben gerade Kakao-Pause. Deshalb ist die Schreibstube leer. Engelhelferin Marie ist gerade dabei, die Luftpost in Empfang zu nehmen. „Da, da!“ ruft Fabian! „Das ist der Ballon! Ich erkenne ihn am goldenen Stern!“ Fabian ist ganz aufgeregt. „Darf ich?“ fragt er Engelhelferin Marie. „Hier, nimm!“ lächelt sie und überreicht Fabian den Ballon. Vorsichtig löst der junge Engelschüler den Brief und die kleine Schachtel. Den Ballon gibt er der Engelhelferin zurück. Diese befestigt ihn an der Stange. 

Fabian hält die Schachtel behutsam in seiner Hand. Den Brief steckt er in die Tasche seines bereits kunterbunten Engelskleids. „Ich mache die 

Schachtel besser in der Schreibstube auf. Nicht dass mir da noch jemand davonfliegt“, sagt Fabian. „Wie du meinst“, sagt Oberengel Maria. Sie glaubt die Geschichte immer noch nicht. Aber der junge Engelschüler ist felsenfest davon überzeugt, dass er recht hat. Er spürt ein leichtes Zittern in seiner Hand, während er die Schachtel festhält. Dann stellt er sie erst einmal auf den großen Tisch und holt den Brief aus seiner Tasche. 


Liebes Christkind! 

Gestern habe ich diesen kleinen Spatz im Garten gefunden. Er ist aus seinem Nest gefallen. Seine Eltern haben sich nicht mehr um ihn gekümmert. Er hat schrecklich gepiept und gezittert. Aber wir haben eine Katze. Die mag keine Vögel. Also kann ich ihn nicht behalten. Darum habe ich mir gedacht, du kannst bestimmt neue Eltern für ihn finden. Das ist mein großer und einziger Weihnachtswunsch. 

Vielen Dank 

Deine Sara 


Fabian öffnet vorsichtig die Schachtel. Tatsächlich sitzt darin ein kleiner Piepmatz. Er ist völlig verschreckt und kauert in einer Ecke. „Unglaublich, also das habe ich tatsächlich noch nie erlebt. Schickt die kleine Sara dem Christkind tatsächlich einen kleinen Vogel“, staunt Oberengel Maria. „Fabian, du überrascht mich immer wieder. Toll, wie gut du das alles beobachtet hast“, sagt sie zu dem jungen Engelschüler. Dieser strahlt über das ganze Gesicht. Er versucht, den kleinen Piepmatz aus der Schachtel zu nehmen und in seine Hand zu setzen. Aber der Kleine protestiert lauthals. „Ich denke, die abenteuerliche Reise war sehr anstrengend für ihn. Du solltest ihm noch ein bisschen Zeit geben, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen“, schlägt Oberengel Maria vor. „Ich darf ihn also behalten?“ fragt Fabian hoffnungsvoll. „Natürlich! Es muss sich jemand um ihn kümmern, bis er allein fliegen kann. Das Christkind ist bestimmt auch froh, wenn du das übernimmst.“, sagt Oberengel Maria. „DANKE!“ ruft Fabian freudig. „Ich denke, ich nenne ihn Flaumi, weil er so weiche Federn hat.“ 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner