21. Dezember

  • © Oskar, Pointecker
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Fabian und der Weihnachtsputz der Sterne


Auch im Himmel gibt es Arbeiten, die nicht besonders oder gar nicht beliebt sind. Das sind Aufgaben, vor denen sich jede Engelschülerin und jeder Engelschüler gerne drückt. Aber es hilft nichts. Auch diese Aufgaben müssen erledigt werden. 

Eine davon ist der jährliche Weihnachtsputz der Sterne, eine fürchterlich mühsame Arbeit. Aber Oberengel Gabriel besteht darauf. Am Heiligen Abend müssen alle Sterne am Himmel schöner funkeln und blitzen als in jeder anderen Nacht. Es ist die Nacht, in der alle Augen auf Erden zum Himmel gerichtet sind. Tja, und heute ist es nun soweit, heute ist Weihnachtsputz angesagt. 

Oberengel Gabriel hat nach dem Frühstück alle Engelschülerinnen und Engelschüler in Dreier-Teams eingeteilt. Die Sterne, besonders die jungen, können nämlich richtige kleine Biester sein. Daher macht es einfach Sinn, gemeinsam zu arbeiten. Fabian und Franzi haben wieder einmal das große Los gezogen. Luise ist ihre Partnerin! Puhhh! „Ich sag’s ja, schlimmer geht’s immer“, raunt Franzi Fabian zu. Oberengel Gabriel zwinkert den beiden zu: „Jungs, ich zähle auf euch. Wenn es jemand mit Luise schafft, dann ihr beide.“ „Und wenn sie blöd wird, dann gebe ich ihr einen Schubs, damit sie über die Himmelsleiter purzelt“, murmelt Franzi. „Was war das mit der Himmelsleiter?“ fragt Oberengel Gabriel streng. „Oh, ich habe nur gesagt, ich passe ganz gut auf, dass Luise nicht über die Himmelsleiter purzelt“, sagt Franzi unschuldig. Luise schaut in böse an. „Ich kann auf mich selber aufpassen, ich bin ja kein Baby!“ Oberengel Gabriel klatscht in die Hände. „So Schluss mit dem Gezanke“, ruft er, „macht euch an die Arbeit, es gibt viel zu tun.“ „Conny hat’s gut!“ murmelt Fabian Das Foto der jungen Engelschülerin war heute Morgen im himmlischen Adventkalender. Darum darf sie den heutigen Tag als Helferin mit Oberengel Gabriel verbringen. Dabei hatte Fabian so gehofft, dass es heute sein Tag werden würde. Aber wieder nichts! 

„So, einer von euch schnappt sich den Sternenstaubsauger, der andere den Wischmob und ich werde mit meinem magischen Zaubertuch den Sternen den richtigen Glanz verleihen“, kommandiert Luise die beiden Engelschüler herum. „Na, das geht schon gut los“, flüstert Franzi. „Ich nehme auf jeden Fall den Sternenstaubsauger, dann muss ich mir wenigstens nicht ständig Luises Gequassel anhören“, beschließt er. „In Ordnung, dann hole ich mir den Wischmob,“ sagt Fabian. 

Die meisten Sterne sind sehr eitel und wollen gut aussehen. Also halten sie auch brav still. Das macht das Arbeiten für die jungen Engel einfach. Für einige, die besonders kitzelig sind, ist das Stillhalten eine wirkliche Herausforderung. Aber zumindest bemühen sie sich und versuchen, ihr nervöses Zucken zu unterdrücken. Dann aber gibt es noch die Rebellen. Diese Sterne wollen unter keinen Umständen geputzt werden. Sie finden sich von Natur aus wunderschön und lehnen jede Berührung und Hilfe von außen ab. Sie sind sehr hartnäckig und greifen zu ganz gemeinen Mitteln. 

Die junge Stellina ist eine dieser Rebellinnen. Jedes Jahr wieder stellt sie die Geduld der jungen Engel auf eine harte Probe. „Komm schon Stellina! Lass mich es wenigsten versuchen. Ich sauge auch auf niedrigster Stufe, da spürst du nur ein leichtes Vibrieren. Das ist wie eine Massage. Die wird dir guttun“, redet Franz auf sie ein. Doch es hilft nichts. Stellina bleibt stur. „Bleibt mir fern. Meine Oberfläche ist schön, so wie sie ist. Ihr zerstört mit eurem Zeug nur alles. Ich funkle heller als alle Sterne hier am Himmel.“ Luise hat genug: „Halt jetzt endlich still, du eingebildetes, fünfzackiges Leuchtbällchen! Wir müssen weitermachen“, faucht sie. Doch Stellina funkelt nur böse zurück und ruft: „Rühr mich ja nicht an, sonst schubse ich dich mit jedem einzelnen meiner Zacken so fest, dass du bis unter die Wolkendecke purzelst.“ „Gar keine schlechte Idee“, murmelt Franzi. Aber auch ihm geht dieser himmlische Zickenkrieg gehörig auf die Nerven. 

Auch Fabian hat das Gezanke satt. Aber er hat begriffen, dass er bei Stellina zu einer List greifen muss. Also sagt er ruhig. „Du hast recht, Stellina! Du bist tatsächlich wunderschön, vermutlich der schönste Stern hier am Himmel. Wir würden es nicht schaffen, dich noch schöner zu machen. Ich bin mir auch sicher, dass am Heiligen Abend alle Menschen auf Erden deine Schönheit bewundern werden. Aber das wird heuer nicht passieren.“ Stellina schaut ihn böse an und faucht: „Und warum nicht?“ „Tja, Oberengel Gabriel hat beschlossen, dass wir heuer alle Sterne melden müssen, die sich nicht putzen lassen. Diese Sterne müssen dann am Heiligen Abend ihr Licht ausknipsen. Wenn sich ein Stern nicht daranhält, wird er bestraft. Oberengel Gabriel verpasst ihm ein Jahr lang ein pinkes Kleid. So sehen auch alle Menschen auf Erde die pinken Sterne“, erklärt er ruhig. Stellina schaut ihn an: „Das ist nicht wahr!“ ruft sie. „Willst du es ausprobieren?“, fragt Fabian. Der kleine Stern überlegt einen kurzen Augenblick. Oberengel Gabriel ist für seine außergewöhnlichen Strafen bekannt. Wer weiß? „Na gut! Meinetwegen! Fangt an! Aber passt auf, dass ihr nichts beschädigt!“ sagt Stellina schließlich. Franzi und Luise schauen Fabian überrascht an. Dieser schmunzelt verlegen und hofft inständig, dass Oberengel Gabriel ihm diese kleine Notlüge verzeiht. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner