23. Dezember

  • © Oskar, Pointecker
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Fabian und das verschwundene Geschenk 


Mia, Mozartgasse 4, Baby Born Fahrradhelm; Kevin, Bienenweg 7, Lego City Polizei Set; Lea, Hauptplatz 8, Prinzessinnen-Rucksack…“ Oberengel Maria kontrolliert noch einmal mit ihren Engelhelferinnen Marie und Magda die Geschenkeliste. Morgen ist Heiliger Abend und das Christkind liefert die Geschenke zu den Kindern. Da darf kein Fehler passieren. Würde ein Kind ein falsches oder vielleicht gar kein Geschenk bekommen, dann würde es bittere Tränen geben. Das geht natürlich gar nicht. Also wird alles genau kontrolliert. 

Oberengel Maria und ihre Engelhelferinnen arbeiten sehr konzentriert. Kurz vor dem Mittagessen sind sie mit der Namensliste fertig. Alle Wünsche der Kinder wurden erfüllt. Alle Geschenkspackerl sind mit dem richtigen Namenskärtchen versehen. Zufrieden legt Engelhelferin Marie die Wunschliste und ihren Sternenstift zur Seite. „Gut gemacht“, lobt Oberengel Maria ihre beiden Engelhelferinnen. „Ja…eigentlich schon…aber…“, sagt Engelhelferin Magda. „Gibt es ein Problem!“ fragt Oberengel Maria erstaunt. „Naja…da ist doch noch dieser Wunschbrief von Sara, ihr wisst schon, das Mädchen, das uns Flaumi geschickt hat“, sagt Magda. „Ja! Fabian hat dem Mädchen doch diese „Nest-Krippe“ gebastelt“, sagt Oberengel Maria. „Und du hast ihm doch dabei geholfen, das Geschenk einzupacken, oder?“ „Stimmt, das habe ich. Aber eben dieses Packerl ist nicht hier. „Na, dann müssen wir Fabian fragen. Bestimmt hat er es irgendwo versteckt, ob absichtlich oder nicht, das weiß man bei Fabian nie so genau“, sagt Oberengel Maria und schüttelt verzweifelt den Kopf. 

In diesem Moment steckt der junge Engelschüler seinen Kopf durch die Türe. „Darf ich reinkommen?“ fragt er. In der Hand hält er ein Tablett mit drei Tassen dampfend heißer Schokolade und einen Teller frischgebackenes Brot mit Himbeermarmelade. Seine Hände zittern fürchterlich. Die Flüssigkeit in der Tasse schwappt gefährlich über. „Du kommst wie gerufen!“ sagt Engelhelferin Magda. „Aber komm, ich nehme dir erst einmal deine heiße Ladung ab, ehe hier noch ein Missgeschick passiert. Fabian ist erleichtert. Zum Kellner taugt er nicht wirklich. Aber Oberengel Gabriel hat ihn mit einer Stärkung ins himmlische Postamt geschickt. „Oberengel Maria und ihre beiden Helferinnen brauchen bestimmt eine Stärkung für zwischendurch“, hat er gemeint. 

„Fabian, wir brauchen bitte noch Saras Geschenkspackerl?“ sagt Magda. Der junge Engelschüler schaut sie verdutzt an. „Aber wieso? Wir haben es doch gemeinsam eingepackt und dann habe ich es hiergelassen“, sagt Fabian. „Das dachte ich auch“, sagt Magda, „aber hier ist es nicht. Hast du vielleicht eine Idee, wo es sein könnte?“ Fabian überlegt kurz. Er ist sich sicher, dass ihm da jemand von den anderen Engelschülern einen Streich gespielt hat. Aber Franzi war es bestimmt nicht. Das ist sein bester Freund. Der würde so etwas auf keinen Fall machen. Doch dann fällt es ihm ein. „Klausi! Das war bestimmt Klausi, dieser Streber!“ murmelt Fabian. Der wollte sich bestimmt an mir rächen, weil er den Wanderpokal heuer an Franzi verloren hat.“ Fabian hat sich an dem Tag so darüber gefreut, dass er mit Franzi durch die himmlischen Gänge getanzt und dabei laut gesungen hat. „Klausilein, ist ein lahmes Engelein!“ Bestimmt hat Klausi das irgendwie gehört. „Ja so muss es gewesen sein!“ sagt Fabian laut. Engelhelferin Magda schaut in fragend an: „Und? Irgendeine Idee? „Ja, die habe ich!“ antwortet Fabian. „Ich bin gleich zurück“, sagt Fabian und saust los. 

Fabian stürmt wütend in die himmlische Werkstätte. Dort ist bereits das große Aufräumen im Gange. „Rück sofort mein Packerl raus!“ raunt er Engelschüler Klausi zu. „Ich weiß nicht, was du meinst!“ sagt dieser und sortiert weiter die himmlischen Schrauben der Größe nach in die Boxen. „Wenn du mir nicht sofort sagst, wo du mein Packerl versteckt hast, dann landen alle Schrauben am Boden und du kannst von vorne anfangen“, droht Fabian und hebt die Box hoch. „Untersteh dich“, ruft Klausi und will ihm die Box aus der Hand reißen. „Darf ich vielleicht wissen, was hier los ist?“ fragt Oberengel Manuel. Er beobachtet den Streit der beiden Engelschüler schon eine Weile. Fabian erzählt ihm die ganze Geschichte. „Klausi, stimmt das? Raus mit der Sprache, oder willst du morgen Abend lieber die große Engelsparty verpassen.“, sagt Oberengel Manuel. „Schon gut, schon gut! Ich habe es unter meinem Wolkenbett“, murmelt Klausi. „Aber Fabian hat diesen Schreck verdient. Immerhin war auch er gemein zu mir.“ „Das stimmt,“ sagt Oberengel Manuel. „Also, ich schlage vor, du holst das Packerl und gibst es Fabian. Und du Fabian, du entschuldigst dich bei Klausi für deinen gemeinen Spruch.“ „Tschuldigung“, murmelt Fabian und streckt Klausi die Hand hin. „Angenommen“, murmelt dieser und läuft in den himmlischen Schlafsaal, um das Geschenk zu holen. 

Zufrieden bringt Fabian das letzte Packerl ins himmlische Postamt. Nun ist die Liste tatsächlich abgearbeitet und Oberengel Maria und ihre beiden Engelhelferinnen schließen zufrieden die Türe. Und Fabian und Klausi? Naja, dicke Freunde werden die beiden Engelschüler bestimmt nicht. Aber zumindest herrscht zwischen den beiden wieder Weihnachtsfriede. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner