11. Dezember

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Fabian, der kleine Chaot 

„Flaumi nein, so geht das wirklich nicht!“ ruft Fabian empört. „Schau dir mein Kleid an. Überall hinterlässt du deine Spuren!“ Der kleine Piepmatz schaut den jungen Engelschüler mit großen Augen an und piepst vergnügt drauflos. Mittlerweile hat er sich gut eingelebt. Er genießt es nun sogar von allen bewundert und bestaunt zu werden. Sein Nest ist gemütlich und über das Futter kann er sich ebenfalls nicht beklagen. 


„Na, was hat unser kleiner Gast denn nun schon wieder angestellt?“ fragt Oberengel Gabriel. Er ist gerade unterwegs in die himmlische Küche und hat Fabians Schimpfen mitbekommen. Fabian zeigt verlegen auf sein Engelskleid. „Oh, oh! Das sieht tatsächlich schlimm aus!“ ruft Oberengel Gabriel. Er ist es von seinem jungen Engelschüler bereits gewohnt, dass sein Engelskleid immer etwas mitgenommen aussieht. Oft ist es zerknittert oder etwas schmutzig. Ja, und dann stolpert Fabian meist auch noch über sein viel zu langes Kleid. Aber das heute, das übertrifft wirklich alles. „Also, ich schätze, zum Frühstück hattest du Himbeermarmelade…und Kakao…und diese kleinen schwarzen Flecken…lass mich raten…hm, die sind bestimmt von Flaumi, stimmt’s?“ fragt Oberengel Gabriel. Fabian nickt. „Jedes Mal, wenn ich Flaumi hochhebe, dann lässt er sein „Mini-Häufchen“ auf mein Kleid fallen“, sagt Fabian. „Ist das der Dank dafür, dass ich mich so gut um ihn kümmere?“ Jetzt muss Oberengel Gabriel tatsächlich lachen. „Vielleicht ist das einfach seine Art, dir zu sagen, bitte heb mich nicht immer hoch, sondern lass mich einfach in meinem Nest?“ „Hmmm!“ überlegt Fabian. 

„Aber weißt du, bevor Oberengel Paulina diese Katastrophe sieht, solltest du lieber in die himmlische Waschküche sausen. Bestimmt bekommt Oberengel Sonja das wieder sauber,“ schlägt ihm Oberengel Gabriel vor. „So schmutzig lässt Oberengel Paulina dich bestimmt nicht in die himmlische Backstube. Heute Abend dürft ihr doch Lebkuchenhäuschen bauen und verzieren. Hast du das etwa vergessen?“ Fabian schlägt sich mit seiner Hand auf die Stirn! „Oje! Ja, das habe ich!“ ruft Fabian. Er schnappt sich Flaumi und saust los. „Fabian, Fabian, du kleiner Chaot!“ murmelt Oberengel Gabriel. 

Die Tür zur himmlischen Waschküche ist nur angelehnt. Fabian klopft, aber niemand antwortet. Er geht hinein. Drinnen ist es ordentlich laut. Die 

Waschmaschinentrommeln drehen sich, die Wäschetrockner rattern. Es riecht auch so sauber, irgendwie unheimlich. Fabian hätte am liebsten umgedreht. Aber es ist zu spät. Engelschülerin Conny hat ihn entdeckt und ihre Augen strahlen. Sie mag Fabian richtig gern. „Fabian, was suchst du hier?“ ruft sie. Sie steckt gerade eine Ladung Wäsche in den Trockner. „Oh, und du hast Flaumi mitgebracht!“ „Ich, also…nichts, also…doch, also…ähm…ist Oberengel Sonja vielleicht da?“ fragt er endlich. „Nein die ist gerade oben beim Christkind, Besprechung, für den Weihnachtsabend“, sagt Conny. „Oh…“, Fabian ist enttäuscht. Etwas verloren steht er da, mit Flaumis Nest in der Hand. „Soll ich warten?“ überlegt er. „Gerne, wenn du willst“, sagt Conny. Dann erst sieht sie Fabians Kleid. „Du brauchst ein sauberes Kleid für heute Abend, stimmt’s?“ stellt sie fest. Fabian nickt verlegen. „Okay, zieh es schnell aus, dann stecke ich es in die nächste Maschine. In einer Stunde ist es wie neu“, sagt Conny. „Aber…aber…ich…ich…“, stottert Fabian. Ihm ist es unangenehm, dass Conny ihn so sieht. Aber er würde gerne Lebkuchenhäuschen bauen. „Stell dich nicht so an. Hier, zieh inzwischen eines meiner Kleider an“, sagt die junge Engelschülerin. „Und nun mach schon! Ich verrate es auch niemandem!“ „Na gut!“ Fabian versteckt sich hinter den großen Maschinen und zieht sich um. Connys Kleid reicht gerade einmal bis unter seine Knie. Sie ist auch um einiges kleiner. Hoffentlich sieht ihn niemand. „Du kannst dich in der Zwischenzeit nützlich machen“, schlägt Conny vor. „Hier diese Geschenkschleifen gehören gebügelt, das schaffst auch du!“ zwinkert sie. „Und Flaumi kannst du im Regal abstellen. Ich glaube, dem gefällt es!“ sagt sie und streichelt dem schlafenden Piepmatz sanft über sein Federkleid. 

Dann macht er sich ans Bügeln. Irgendwie muss er sich die Zeit vertreiben. Tatsächlich hält Conny ihr Versprechen. Nach einer Stunde bekommt er sein Engelskleid wieder …frisch gewaschen, blütenweiß, und sogar gekürzt! „Damit du nicht mehr so oft stolperst“, sagt Conny und schmunzelt. Fabian strahlt über das ganze Gesicht. Es sieht wirklich schick aus, und erst der Duft! „Weihnachtszauber heißt der Duft, eine dezente Vanille-Zimt Mischung, ich dachte, das passt zu dir!“ sagt Conny. „Du kannst wirklich zaubern! DANKE!“ sagt er und umarmt sie stürmisch. „Nicht zaubern, nur waschen und nähen“, antwortet die junge Engelschülerin. Fabian schnappt sich Flaumi und winkt zum Abschied. „Bis später!“ Conny winkt zurück und schaut dem jungen Engelschüler verträumt nach. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner