13. Dezember

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Fabian und der magische Zauber 

„Da haben wir den Kakao“, ruft Franzi aufgeregt. „Ich habe dir ja gesagt, dass das keine gute Idee ist!“ „Wenn Oberengel Gabriel das herausfindet, dann bekommst du wieder mächtig Ärger!“ jammert Franzi weiter. „Ich bin gespannt, welche Strafarbeit er sich dieses Mal für dich ausdenken wird.“ Franzi plappert verzweifelt drauflos. Fabian steht immer noch völlig regungslos neben seinem Wolkenbett und starrt auf Flaumis leeres Nest. „Fabian! Hallo! Himmel an Fabian! Hörst du mir überhaupt zu?“ „Ich…ich…ich…Flaumi ist weg“, flüstert der junge Engelschüler leise „und ich bin schuld dran.“ Seine Augen füllen sich mit Tränen. 

In diesem Moment kommt Engelschülerin Conny in den Schlafsaal. „Da steckt ihr beiden also“, ruft sie. Franzi greift schnell nach Fabians Sternen-Halstuch, das auf dem Wolkenhocker liegt. Er wirft es über Flaumis Nest. „Was treibt ihr beide da?“ will Conny wissen. „Nichts!“ sagen die beiden jungen Engelschüler ganz unschuldig. „Und was suchst du in unserem Schlafsaal? „Du weißt, da dürfen Mädchen normalerweise nicht herein,“ sagt Franzi. „Oberengel Paulina schickt mich. Ihr beide wolltet doch auch beim Verzieren und Zusammenbauen der Lebkuchenhäuschen helfen, oder? Wir fangen in einer halben Stunde an und sie will, dass ich alle rechtzeitig zusammentrommle.“ Oje, die Lebkuchenhäuschen! Die hatten die beiden in der Aufregung völlig vergessen. „Halt uns bitte einen Platz frei“, sagt Fabian, „wir müssen Flaumi noch füttern.“ „Oh, darf ich helfen?“ fragt Conny. „NEIN! AUF KEINEN FALL!!!“ rufen beide wie aus einem Mund. „Dann eben nicht!“ sagt Conny und dreht sich beleidigt um. „Tut...tut…tut mir leid“, sagt Fabian schnell. „Flaumi schläft noch und…und du musst ja die anderen suchen. Wie wäre es mit morgen?“ schlägt er vor. Conny hat ihm mit seinem Engelskleid aus der Patsche geholfen. Nun möchte er ihr diesen Wunsch erfüllen. „Einverstanden, morgen!“ Conny strahlt wieder. Sie lächelt Fabian an. „Also, beeilt euch, sonst fangen wir ohne euch an“, ruft sie noch und weg ist sie. „Sag mal, bist du etwa in Conny verknallt?“ fragt Franzi und schaut seinen Freund misstrauisch an. „Spinnst du!“ antwortet dieser. Damit Franzi allerdings nicht sieht, dass er ganz rot wird, nimmt er schnell den Wolkenschal vom Nest und hält ihn vor sein Gesicht. 

„Flaumi ist immer noch verschwunden. Ich bin doch für ihn verantwortlich und dann mache ich so einen Mist!“ jammert Fabian. „Wie lange wohl der magische Zauber bei Vögeln anhält?“ überlegt Franzi. „Ich weiß es nicht!“ sagt Fabian. Plötzlich hat Franzi eine Idee. „Vielleicht steht in unserem himmlischen Lehrbuch etwas darüber. Lass uns im Kapitel für Sternenglitzer einmal nachschauen.“ Franzi, du bist ein Genie! Das ist die Lösung, das Lehrbuch!“ ruft Fabian. Er schaut sich nach seinem Sternen-Rucksack um. Diese liegt auf dem Wolkenhocker. Schnell holt er das Lehrbuch hervor und blättert ungeduldig. „Wie wäre es, wenn du im Inhaltsverzeichnis nachschaust“, schlägt Franzi vor. „Du musst immer alles besser wissen“, beschwert sich Fabian. Aber insgeheim muss er Franzi recht geben. „M…Mag…Magie nein, nichts, Sterne polieren, auch nicht, Sterne zählen, nein, a hier, Sternenglitzer, Seite 234 – 240“, sagt Fabian. „Oh nein…muss ich das wirklich alles lesen?“ stöhnt er. „Gibt schon her, bevor wieder jemand kommt und nach uns sucht,“ sagt Franzi. „Also, da steht: 


Die Wirkung der Unsichtbarkeits-Magie dauert: 

Bei Insekten 5 Minuten 

Bei Eichhörnchen 10 Minuten 

Bei Vögeln 15 Minuten 

Bei Katzen, Hunden, Rehen 20 Minuten 

Bei Wichteln, Engeln 30 Minuten 

Beim Weihnachtsmann, Elche 60 Minuten (Achtung, wurden mit doppelter Prise unsichtbar gemacht) 


Aber, aber dann müsste Flaumi doch längst wieder hier sein“, sagt er. „Die 15 Minuten sind sicher schon um.“ „Oje, oje! Franzi, ich habe ihn für immer verschwinden lassen!“ jammert Fabian. 

PIEP, PIEP! In dem Moment hören Fabian und Franzi ein leises Piepsen. Doch das Nest ist immer noch leer. Die beiden Engelschüler schauen sich an. Bilden sie sich dieses Piepsen nur ein? PIEP, PIEP! Nein, es ist deutlich zu hören. Fabian schaut unter seine Wolkendecke, unter sein Wolkenbett, ja sogar in seinen Wolkenschrank. Nichts. Plötzlich bewegt sich etwas unter seinem Wolkenkissen. Franzi hebt es hoch und Fabian ruft: „Flaumi, was machst du hier?“ Der kleine Piepmatz muss unsichtbar aus seinem Nest gehüpft sein und sich hier versteckt haben. Fabian hebt ihn behutsam hoch und setzt ihn zurück in sein Nest. Er reibt seine Nase fest an seinem Köpfchen. „Tut mir leid, dass ich dich verschwinden hab lassen. Ich bin soooo froh, dass du wieder da bist!“ ruft er. „So, jetzt bringe ich dich aber schnell zu Oberengel Thomas ins Lager. Der wird auf dich aufpassen, während wir unsere Lebkuchenhäuschen verzieren. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner