4. Dezember

  • © Oskar, Pointecker

Fabian und der volle, runde Mond 



„423, 424, 425“, Fabian liegt in seinem Himmelsbett und kann einfach nicht einschlafen. Seit Stunden zählt er schon Schafe. Aber der Schlaf will und will einfach nicht kommen. Zu aufgeregt ist der junge Engelschüler. Endlich, endlich hat er Oberengel Maria bewiesen, dass er doch zu etwas taugt. Sie hat gestrahlt und ihn vor Freude sogar umarmt. Aber nicht nur das. Danach hat sie sich lange mit Oberengel Manuel und Oberengel Gabriel unterhalten. Dann hat sie Fabian wieder zu sich gerufen und ihm für morgen eine Überraschung versprochen. Verraten hat sie nichts, aber es klang sehr geheimnisvoll. Tja, und nun liegt er da, und weiß nicht, was er tun soll. Er muss morgen unbedingt ausgeschlafen sein. Aber verschlafen darf er auch nicht. 

„Fabian? Du bist wach? Warum? Kannst du nicht schlafen?“ fragt der volle, runde Mond erstaunt. Auf seiner nächtlichen Tour besucht er auch den himmlischen Schlafsaal. Normalerweise liegen alle Engelschülerinnen und Engelschüler friedlich in ihren Wolkenbetten und schlummern tief und fest. 

Doch heute ist es anders. Fabian, bekannt als himmlische Schlafmütze, ist hellwach. „Bedrückt dich etwas?“ fragt der Mond freundlich. „Nein, nein, gar nicht! Ich bin einfach zu aufgeregt zum Schlafen“, antwortet der junge Engelschüler. „Ist aber vielleicht auch besser so, dann verschlafe ich morgen das Frühstück nicht. Das darf mir nämlich auf keinen Fall passieren!“ „So, so…warum das? Willst du mir davon erzählen?“ fragt der Mond neugierig. „Ich würde mich über eine spannende Geschichte freuen!“ Der Mond ist immer nur nachts auf Wanderschaft. Deshalb bekommt er nie mit, was tagsüber in den himmlischen Räumen passiert. 

„Oh ja gerne! Aber warte, ich komme ans Fenster, damit ich die anderen nicht wecke“, flüstert Fabian. Und so krabbelt er vorsichtig aus seinem Wolkenbett und schleicht barfuß und auf Zehenspitzen zum Fenster. Mit Schwung setzt er sich auf das Fensterbrett. Da sein Engelskleid ohnehin immer viel zu lang ist, kann er ganz leicht seine nackten Zehen darunter verstecken. 

„Also, das war so…Oberengel Maria hat Franzi und mich ins himmlische Postamt mitgenommen…“, plappert Fabian aufgeregt drauf los. Der Mond hört gespannt zu. „Oh! Wirklich! Oje! So ein Pech! Großartig!“ Der Mond kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Auch die umliegenden Sterne lauschen neugierig. „…und dann habe ich eine ganze Nacht mit Oberengel Manuel gearbeitet und an der neuen Erfindung für das himmlische Postamt gebastelt. Und nun wartet morgen eine Überraschung auf mich!“ beendet er seine Geschichte. 

„Bravo! Bravo, Fabian! Gut gemacht!“ Die Sterne klatschen begeistert Beifall und funkeln dabei um die Wette. „Psst!“ flüstert der Mond, „macht nicht so einen Lärm! Ihr weckt noch alle auf!“ Die übermütigen Sterne sind sofort leise. Vor dem vollen, runden Mond haben alle großen Respekt. Aber auch der Mond gratuliert dem jungen Engelschüler. „Gut gemacht, Fabian! Aber trotzdem solltest du jetzt ein bisschen schlafen. Sonst schläfst du morgen beim Frühstück ein“, zwinkert er. „Aber was, wenn ich verschlafe?“ fragt Fabian etwas unsicher. „Mein lieber Fabian, ich verspreche dir, bevor ich schlafen gehe, schaue ich noch einmal bei dir vorbei und wecke dich. Dann bist du immer noch rechtzeitig und vor allen anderen wach. Was hältst du davon?“ fragt der Mond. „Oh ja, danke! Ich bin jetzt auch richtig müde!“ gähnt Fabian. „Also dann, marsch zurück ins Wolkenbett! Wir sehen uns später!“ schmunzelt der Mond und setzt seine nächtliche Reise fort. Fabian kraxelt schnell vom Fensterbrett und schleicht zurück in sein gemütliches Wolkenbett. Kaum hat er sich auf sein Wolkenkissen gekuschelt, schlummert er auch schon tief und fest. 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner