8. Dezember

  • © Oskar, Pointecker

Fabian und das ganz besondere Paket 


„Oh, oh! Geht das nicht ein bisschen langsamer?“ Er kommt kaum noch nach mit dem Aufschreiben der Namen und Adressen. „Maria, nein Mario …Peter, nein Petra…Marktplatz, nein Markstraße“…Fabian schreibt, streicht alle durch, schreibt es wieder neu…bald kann er seine Kritzelei selbst nicht mehr lesen. Nach dem Mittagessen scheinen plötzlich alle Kinder nichts anderes zu tun haben, als Briefe ans Christkind zu schreiben. Am liebsten würde Fabian klingeln und Engelhelferin Magda um Hilfe bitten. Aber er möchte Oberengel Maria beweisen, dass er die Aufgabe schafft. „Ich habe Oberengel Maria versprochen, sie nicht zu enttäuschen. Also werde ich ihr auch zeigen, dass ich das kann!“ spricht Fabian sich selbst Mut zu. 


Zum Glück hat ihm seine Pausen-Mahlzeit neue Energie gegeben. Allerdings hat sein Engelskleid doch ein paar Schokoflecken abbekommen. Und ein paar Tintenflecken haben sich auch dazugesellt. Fabian schaut sich die Bescherung an. „Oje, ich sehe aus wie die Engel, die immer die Farben des Regenbogens nachmalen. Die haben auch so bunte Kleider an. Vielleicht darf ich da einmal mitmachen“, überlegt Fabian und muss lachen. „In jedem Fall muss ich morgen das Kleid selbst in die himmlische Wäscherei bringen. Ich muss mich bei Oberengel Sonja für dieses Chaos entschuldigen, sonst gibt es garantiert Ärger“, überlegt Fabian. 

„Oh, oh! Schon wieder 15 neue Briefe!“ ruft Fabian. Einfach unglaublich! Dabei ist Fabian nur ein paar Augenblicke abgelenkt gewesen. Fabian schreibt und schreibt. Die Seiten im Sternenheft füllen sich. „Das wird eine anstrengende Nacht für die Engelhelferinnen. So viele Adressen und so viele Briefe“, überlegt der junge Engelschüler. 

Plötzlich entdeckt er ein kleines Mädchen. Es sitzt mit seiner Oma am Küchentisch. Sara, so heißt die Kleine, hat ganz viele bunte Stifte neben sich liegen. Eifrig schreibt und malt das kleine Mädchen. Fabian schaut ihr fasziniert zu. Lesen kann er den Brief zwar nicht, dafür ist er zu weit weg. Aber er sieht die wunderschöne Zeichnung. Sie zeigt ein kleines Körbchen mit einer bunten Decke. Darin sitzt ein kleines Vögelchen. Die Zeichnung sieht tatsächlich sehr echt aus. Als die Oma für einen Moment nach draußen geht, holt die kleine Sara etwas aus ihrer Jackentasche. Fabian schaut ganz genau hin, kann aber nicht erkennen was es ist. Als Oma wieder in die Küche kommt, versteckt die Kleine das Etwas wieder in ihrer Jackentasche. Diesmal hat Oma einen großen roten Ballon mit. Sie bindet Saras Brief an den Luftballon. „Hier, diesen goldenen Stern kannst du noch auf den Ballon kleben. Dann gehen wir in den Park und lassen den Ballon steigen“, sagt Oma. Die Kleine nickt voller Freude. „Also, dieser Brief kommt per Luftpost!“ sagt Fabian. „Dann kann ich den Namen und die Adresse wieder durchstreichen.“ 

Da hört Fabian das Telefon klingeln. Es ist in Saras Haus. „Ich bin gleich zurück“, ruft Oma. Während ihre Oma telefoniert, nutzt Sara die Gelegenheit und zieht das kleine Etwas wieder aus der Jackentasche. Fabian glaubt, dass sich das kleine Etwas bewegt. Aber genau kann er es einfach nicht erkennen. Dann holt Sara eine kleine Schachtel aus der Küchentischlade. Sie legt ein Stofftaschentuch hinein und setzt das kleine Etwas vorsichtig darauf. Dann schließt sie die Schachtel und klebt sie fest zu. Zum Schluss macht sie überall kleine Löcher hinein. Fabian überlegt, was wohl in der Schachtel sein könnte, er kommt aber nicht drauf. Als Oma zurückkommt, bittet Sara sie, die Schachtel an den Ballon zu hängen. Erst sagt Oma nein und will wissen, was da drinnen ist. „Das ist ein Geheimnis! Das darf nur das Christkind wissen“, erklärt Sara. „Na gut“, sagt Oma schließlich. Als die beiden im Park stehen, flüstert Sara noch etwas in die kleine Schachtel und lässt den Luftballon dann steigen. Lange noch winkt sie ihm nach. 

In diesem Moment weiß Fabian, was in der Schachtel steckt. „Oh, oh! Ich muss schnell ins himmlische Postamt und den Luftballon auffangen“, ruft Fabian. Er schnappt sich die Klingel und läutet zweimal. Engelhelferin Magda eilt herbei. „Alles in Ordnung, Fabian?“ fragt Magda. „Ja, aber ich müsste dringend weg“, sagt Fabian und erzählt Magda in ein paar Worten, was er gesehen hat. „Wenn das so ist, dann lauf schnell“, lacht Magda, „ich übernehme hier. Du warst heute ohnehin schon fleißig genug.“ „DANKE!“ ruft Fabian und weg ist er… 


Illustration: Oskar Pointecker 

Text: Sabine Aigner